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Wer oder was waren „Fidschis?“

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Wie viele Quadratmeter hatte das Zuhause auf Zeit für viele Vertragsarbeitende?

Was war der am häufigsten versendete Paketinhalt nach Vietnam? Und woher kam dieses Wort?

Das alles erfahrt ihr im Video:

Wer oder was waren „Fidschis“? Vietnamesische Vertragsarbeitende in der DDR.

Der Begriff „Fidschis“ war in der späten DDR ein rassistisches Schimpfwort für vietnamesische Vertragsarbeiterinnen und Vertragsarbeiter sowie für andere asiatisch gelesene Menschen. Die Bezeichnung hatte mit den tatsächlichen Herkunftsländern der Betroffenen nichts zu tun – „Fidschi“ ist eine Inselgruppe im Südpazifik. Dennoch setzte sich das Wort im Alltag durch und wurde von vielen als abwertend empfunden.

Vietnamesische Vertragsarbeitende kamen auf Grundlage eines Abkommens zwischen der DDR und Vietnam aus dem Jahr 1980 in das Land. Sie sollten den zunehmenden Arbeitskräftemangel in der DDR-Industrie ausgleichen. Während 1983 etwa 12.000Vietnames:innen in der DDR lebten, waren es 1989 fast 60.000, die in mehr als700 Betrieben arbeiteten – vor allem in der Textil-, Elektronik- und Maschinenbauindustrie.

Die meisten waren junge Erwachsene zwischen 18 und 35 Jahren und arbeiteten mit befristeten Verträgen von maximal fünf Jahren. Eine dauerhafte Integration war von staatlicher Seite nicht vorgesehen. Die Vertragsarbeitenden lebten meist auf sehr wenigen Quadratmetern in Wohnheimen, häufig isoliert vom übrigen gesellschaftlichen Leben. Männer und Frauen waren getrennt untergebracht, Besuche von DDR-Bürger:innen oft untersagt, und das Alltagsleben unterlag strengen Regeln.

Trotz dieser Isolation entstand innerhalb der vietnamesischen Gemeinschaft ein starker Zusammenhalt. Viele hielten an ihren kulturellen Traditionen fest und entwickelten eigene Netzwerke. Gleichzeitig waren sie ein wichtiger Teil der DDR-Wirtschaft – ohne jedoch wirklich Teil der Gesellschaft zu werden.

Nach der Wiedervereinigung blieben viele – trotz unklarer Zukunft – in Deutschland und erfuhren häufig eine noch stärkere Form von Rassismus, insbesondere in den sogenannten „Baseballschlägerjahren“. In rechtsextremen Kreisen wurde das Wort weiter als Feindbegriff benutzt, etwa während der rassistischen Ausschreitungen in Rostock-Lichtenhagen im Sommer 1992.

Der Begriff „Fidschis“ steht heute beispielhaft dafür, wie Sprache Ausgrenzung und rassistische Vorstellungen festschreiben kann.

Viele weitere, von Jugendlichen gestellte Fragen, haben wir für euch als Erklärvideos in der DDR BOX und als Shorts auf YouTube produziert.

Ingo Hasselbach - Die Timeline

Hier findet Ihr begleitend zum Hörbuch ein Booklet mit vielen spannenden Fotos und Dokumenten aus seiner Jugend, als Neonazi und nach seinem Ausstieg.
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